26. Mai 2020

„Noch immer ist die Situation für Menschen auf der Straße schwierig“


Auch in Corona-Zeiten ist die Diakonie für die Ärmsten im Einsatz. In Saarbrücken, Völklingen, Saarlouis und Neunkirchen bieten Diakoniemitarbeitende täglich Hilfe für wohnungslose und von Wohnungslosigkeit bedrohte Menschen an. Die Situation sei trotz Besserung noch immer kompliziert.

„Die Situation für die Menschen, die auf der Straße leben, hat sich zwar seit Anfang Mai durch die Ladenöffnungen und die Lockerung der Ausgangsbeschränkungen etwas entspannt“, berichtet Thomas Braun aus der Aufsuchenden Sozialen Arbeit der Diakonie Saar, „doch noch immer ist für sie die Situation schwierig und die Hilfe oft kompliziert.“

Die Diakoniemitarbeitenden sind in Saarbrücken, Völklingen, Saarlouis und Neunkirchen täglich unterwegs auf der Straße und halten Kontakt, bieten Unterstützung an. Pro Jahr werden so rund 1.400 wohnungslose oder von Wohnungslosigkeit bedrohte Menschen betreut. „Seit März“, so berichtet Braun, „suchen wir die Menschen auf und informieren gezielt über die Situation und die Vorschriften zu den Schutzmaßnahmen und verteilen zur Risikominderung Mund-Nasen-Schutz.“

 

Möglichst für alle einen Wohnraum finden

Ein Hauptziel der Sozialarbeiter ist es, für wohnungslose Menschen eine Wohnung zu finden. An den öffentlichen Plätzen durften sich die Obdachlosen ja nicht mehr aufhalten, schon gar nicht gemeinsam. Viele haben aber keine Wohnung, schlafen bei Bekannten oder auf der Straße. Bevor jedoch eine Unterkunft organisiert werden kann, müssen die Finanzierungsmöglichkeiten geklärt, in der Regel ein Antrag auf beispielsweise Sozialleistungen gestellt werden. „Leider sind die Ämter und Behörden seit Wochen meist nur über telefonisch vereinbarte Termine oder online erreichbar, wodurch dringliche Hilfeleistungen erschwert werden“, berichtet auch Wolfgang Schönberger, Abteilungsleiter bei der Diakonie Saar. Für Menschen, die "auf der Straße leben", seien diese Möglichkeiten praktisch nicht zu nutzen. „Unsere Mitarbeitenden in den Häusern der Diakonie in Neunkirchen, Saarbrücken und Völklingen sind deshalb täglich im Einsatz, beraten, vermitteln und helfen bei der Regelung mit Ämtern und Institutionen und unterstützen beim Ausfüllen von Formularen“, so Schönberger.

„Konkret eine feste Bleibe zu organisieren, ist da schon schwieriger“, erzählt Braun. In den stationären Angeboten, wie dem Bruder-Konrad-Haus, der Herberge zur Heimat und der AWO-Notschlafstelle seien so gut wie alle Plätze belegt. „In unseren Städten fehlt eh Wohnraum, gerade für arme Menschen,“ erzählt Braun. „In der jetzigen Situation kommt erschwerend hinzu, dass die Wohnungsgesellschaften und Vermieter kaum Besichtigungen anbieten.“

 

Anlaufstellen konnten Betrieb aufrecht erhalten

Kommt es zu einem gesundheitlichen Problem, finden Menschen in Not, meist ohne Krankenversicherung, Hilfe in der Praxis für medizinische Grundversorgung im Haus der Diakonie in Saarbrücken. „Wir sind sehr froh und dankbar, dass die dort sehr engagiert tätigen Ärztinnen und Ärzte auch während der Ausgangsbeschränkungen ihr ehrenamtliches Angebot aufrechterhalten haben und wir die Praxis offen halten konnten“, sagt Schönberger. Und bei Bedarf von Kleidung konnten sich die Menschen an die St. Johanner Börse, die Kleiderkammer der Diakonie in Saarbrücken, wenden. „Abgestimmte Regelungen ermöglichen es uns auch in der ökumenischen Wärmestube in Neunkirchen, wo sich wohnungslose Menschen aufhalten, duschen und ihre Kleidung waschen können, ein zumindest reduziertes Angebot aufrecht zu erhalten“, freut sich Schönberger. Zweimal die Woche Lebensmittelpakete gepackt, die von Mitarbeitenden und Ehrenamtlichen zu den Bedürftigen gebracht werden. Diese Aktion kann auch dank der Unterstützung durch „Aktion Mensch“ in den kommenden Wochen und Monaten weitergeführt werden. „Das ist eine wichtige Hilfe für die Menschen, denn viele Besucher der Wärmestube sind ältere Menschen mit Vorerkrankungen und deshalb sehr dankbar für den Lieferdienst“, berichtet Schönberger.

„Stolz sind wir auch darauf, dass es uns direkt Anfang März gelungen ist, unsere Tafeln in Völklingen und Illingen offen zu halten“, so Schönberger. „Bei der Arbeit so dicht an den Klienten – und das betrifft eigentlich alle unsere Einrichtungen – gehört großes Engagement, Menschenfreundlichkeit und Verlässlichkeit dazu“, lobt er den Einsatz der Mitarbeitenden und Ehrenamtlichen. 





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