06. Mai 2020

Komm, lieber Mai, und mache . . . .


Komm, lieber Mai, und mache die Bäume wieder grün, und lass mir an dem Bache die kleinen Veilchen blüh’n! Wie möcht’ ich doch so gerne ein Veilchen wieder seh’n! Ach, lieber Mai, wie gerne einmal spazieren geh’n!

Manchmal ist der Winter lang.

Im eigentlichen Sinne war er dieses Mal kurz und mild und regnerisch. Im übertragenen Sinne hält er leider noch an.

Aber schaut einmal, während die Glocke von heute Morgen läutet, das Außengelände unseres Gemeindehauses an. Vier Jahre Saure-Gurken-Zeit hat es hinter sich, bis es nun wieder ansehnlich ist. Halbwegs zumindest. Bis es wirklich schön ist, dauert es noch.

Denn es ist noch nicht grün. Es blüht noch nichts. Es ist grau und kahl - und das Wachstum der neu gepflanzten Bodendecker, Sträucher und Bäume lässt noch auf sich warten.

Aber nun kommt der Mai - und dieser wunderbare, grüne Monat wird es schaffen, dass es in Schiffweiler wieder grünt und blüht: Wir werden Stauden setzen. Wir werden die Trockenmauer begrünen. Wir werden die Hochbeete mit Erde füllen und Radieschen und Erbsen säen und Salat setzen. - Ich kann es fast schon sehen! - Sie auch? Manche haben in der letzten Zeit nicht mehr daran geglaubt, dass es noch einmal etwas werden wird.

Mich erinnert das an das Gleichnis, das Jesus im Lukasevangelium erzählt:

„Hau den Baum ab“, sagt da der Besitzer des Weinberges zu seinem Gärtner. Dieser Feigenbaum trägt keine Frucht. Seit drei Jahren beobachtet der Weinbergbesitzer den Baum. Nicht ein einziges Mal hat er Frucht getragen. Der Weinbergbesitzer will Ertrag. Wozu sonst hat er den Baum pflanzen lassen? Er ist nutzlos, ein Schmarotzer, der das Wasser aus der Erde zieht. Doch dann findet der Feigenbaum einen Fürsprecher: Der Gärtner bittet um eine Gnadenfrist für ihn: "Gib dem Baum noch eine Chance. Warte noch ein Jahr. Ich will die Erde umgraben, düngen und wässern. Wenn er im nächsten Jahr keine Frucht bringt, hau ihn ab.“

Manchmal braucht es ein Jahr, um heil zu werden. Manchmal auch vier. Wie lange wir noch zurückstecken müssen, weiß keiner - aber auch nicht, ob das, was gerade an Lockerungen geschieht, Sinn macht.

Aber eins ist klar: Corona hält seinen Finger gnadenlos auf unsere Fehler - im privaten und öffentlichen Bereich.

Wir sollten uns ein Jahr geben, und den Boden umgraben, düngen, gießen - damit eine Welt wachsen kann, die besser ist als vorher. Das wäre schön. Und dann werden die Blumen schöner blühen denn je - und die Bäume Früchte tragen.

Ich kann diese Welt fast schon sehen. - Sie auch?

Ihre /Eure Pfarrerin
Wiltrud Bauer

 

 





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